Warum Volleyball Sponsoren verliert

Warum verliert Volleyball wichtige Sponsoren?

Schon wieder ist es passiert. Der Deutsche Volleyballverband verliert mit der Layenberger Nutrition Group zum Jahresende seinen Hauptsponsor. Damit verliert der deutsche Spitzenvolleyball zum dritten mal in kurzer Zeit einen wichtigen Sponsor: Nach Generali Haching, TV Bühl ist nun der DVV auf der Suche nach einem neuen Hauptsponsor. Besonders tragisch ist der Verlust des Sponsors für Haching gewesen, die mangels Alternativen zum Ende der Saison 1314 den Spielbetrieb in der Bundesliga einstellten und sich nun nach zweimaligem Aufstieg in der 3. Liga befinden. Auch Bühl hat noch keinen neuen Sponsor gefunden und versucht mit einem Spendenaufruf an Wirtschaft und Privatpersonen die Finanzierungslücke zu schließen, um auch im kommenden Jahr erstklassigen Volleyball zu spielen. Damit ist das Problem natürlich nicht gelöst, denn auf Dauer wird der TV Bühl einen neuen finanzkräftigen Sponsor brauchen, um langfristig in der Bundesliga verbleiben zu können.

Was sind die Gründe dafür, dass deutsche Spitzenteams, trotz respektabler Leistungen große Sponsoren verlieren?

Erinnern wir uns zurück: Generali Haching war eine der Top- Mannschaften in Deutschland. In ihrer letzten Saison standen sie im Halbfinale der Playoffs, des DVV Pokals und erreichten das Viertelfinale im CEV Cup. Schaut man auf die Vereinshistorie, konnte Haching drei Pokalsiege und drei Vizemeisterschaften verbuchen. Trotz sportlicher Erfolge sah man bei Generali Versicherungen keine Perspektive für die Zusammenarbeit mehr. Aus der offiziellen Pressemitteilung lässt sich entnehmen, dass Generali künftig “vermehrt flächendeckende Vertriebskooperationen im gesamten Bundesgebiet” sucht. Zugegeben, die Aussage ist dünn und auch auf der Homepage der Mannschaft finden sich logischerweise keine Interna. Offensichtlich gab es, trotz sportlicher Erfolge, keine Hoffnung auf eine größere Bühne, um seine Sponsoringziele zu erreichen.

Was sind denn die Ziele von Sponsoring?

Ich bin neu auf dem Gebiet und musste mich erstmal schlau machen. Also las ich mich durch das Internet und wurde fündig: Anders als das Mäzenentum verbindet der Sponsor mit seiner finanziellen Zuwendung klare Marketingziele, z.B. ein Zuwachs an Popularität. Mit dem Sponsoring einer Sportmannschaft verspricht man sich, dass man Zugang zu den Fans und Interessierten des Sports und der Mannschaft bekommt und sie z.B. in einem ungezwungenen, nicht- kommerziellen Umfeld ansprechen kann. Mit einem Engagement als Sponsor geht durch die Kooperation außerdem ein Imagetransfer zwischen beiden Beteiligten einher. Das Image des Sports färbt auf den Sponsor ab, das Image des Sponsors auf den Sport.

Was kann Volleyball bieten, dass für einen Sponsor attraktiv ist?

Jetzt kommt der Teil, den ich logischerweise nicht vollständig ohne rosa Brille schreiben kann, da ich selbst leidenschaftlicher Volleyballer bin. Ich probiere es trotzdem. Volleyball ist in Deutschland eine Randsportart. Damit ist gemeint, dass sie im Vergleich zu anderen Sportarten deutlich weniger Popularität hat. Fernsehübertragungen von Volleyball? Nur für große Events und nur auf Spartensendern. Die Volleyball WM wurde auf Sport1 übertragen, die Beachvolleyball WM ebenso, außerdem gibt es Übertragungen auf Internetportalen. Bereits in der zweiten Bundesliga nimmt die Professionalität von Volleyball spürbar ab. Fernseh- oder Internetübertragungen gibt es praktisch nicht, die Berichterstattung beschränkt sich auf Zeitungsartikel in regionalen Zeitungen, von den unteren Ligen ganz zu schweigen. Volleyball ein attraktiver Sport. In einigen Regionen zieht der Sport Massen an, zum Beispiel in Berlin. Zum letzten Champions League Finale, dass im KO- Modus ausgetragen wird, erschienen zu jedem Spiel knapp 10.000 Zuschauer, der Ausrichter Berlin Recycling Volleys hat sogar eine Zusatztribüne aufgestellt, damit noch mehr Leute das Spiel verfolgen können. Das DVV Pokalfinal wurde in der Mannheimer SAP Arena ausgetragen und lockte 12.000 Zuschauer an, ein neuer Rekord. Die letzte Beachvolleyball WM wurde in den Niederlanden an insgesamt vier Standorten ausgetragen. Dadurch konnten sich ca. 100.000 Leute Spiele ansehen. Dank TV Übertragung wurden allein für das Finale 570.000 Zuschauer vor den Geräten gezählt.

Es lässt sich nur mutmaßen, was die genauen Gründe sind. Ich bin kein Insider in den konkreten Fällen und kann nur die Lage von außen beurteilen. Klar ist, dass Layenberger offensichtlich mit den sportlichen Leistungen nicht zufrieden war. Das besagt zumindest ein Absatz aus deren Pressemitteilung: [..]“leider konnte sich weder die Frauen- noch die Männer-Nationalmannschaft der Halle für die Olympischen Spielen in diesem Jahr qualifizieren. Trotz herausragender Leistungen scheiterten beide Nationalteams letztendlich an einem eher fragwürdigen Qualifikationsmodus” Hinzu kommt Unzufriedenheit mit dem Qualifkationsmodus, der auch in den Medien viel Kritik erntete. Es scheint, als ob Unternehmen nicht daran glauben, im Volleyball ihre Sponsoringziele zu erreichen.

Lichtblicke

Volleyball wird professioneller und entwickelt sich weiter. Das zeigen die aktuellen Entwicklungen: Der Mindestetat von 200.000€, den jede Mannschaft vorweisen muss, zwingt die Vereine dazu, sich finanziell breiter und besser aufzustellen. Das sorgt dafür, dass Vereine, die schlecht aufgestellt sind, langfristig zurückziehen werden müssen. Andererseits bleiben die solide aufgestellten Vereine zurück. So tragisch das für die Zurückziehenden ist, umso wichtiger ist es, dass nur gut aufgestellte Vereine bleiben. Offen bleibt, ob der Verband die Anforderungen künftig weiter nach oben schraubt, um die Professionalisierung weiter voranzutreiben. Im Vergleich zum Handball, wo selbst Aufsteiger die Etatmillion knacken, sind die 200.000€ im Volleyball geradezu gering. Um die Popularität zu vergrößern, um neue Sponsoren anzuziehen, muss der Sport professioneller werden. Andernfalls kann der Anschluss an die internationale Spitze nicht gehalten werden.

Edwin